Virus „Agile Produktentwicklung“. Infektion mit Tücken

Agile Pep Minds 2015Die Konferenz Agile PeP Minds vom 23. November bis 24. November hat mir mal wieder gezeigt, dass Agile in den Bereichen Maschinenbau, Automotive und Elektronik zum Trend geworden ist. Immer mehr Firmen wagen erste Schritte, begehen aber oft die gleichen „Anfängerfehler“. Natürlich ist es einfach, die „Mechanik agiler Leitplanken“ zu installieren. Problematischer scheint es allerdings, die für ihr Funktionieren unumgänglichen Rollen zu etablieren. Besonders die Installation des Agile Coach, des „Scrum Masters für Große“, scheint eine echte und in ihrer Bedeutung unterschätzte Herausforderung zu sein.

Agiler Virus. Infektion mit Tücken

Eine erhellende Begegnung machte mir dann klar, dass der agile Virus manchmal eben doch eine längere Inkubationszeit benötigt. So berichtete mir der Entwicklungsleiter eines mittelständischen Elektronikunternehmens, den ich vor einigen Jahren mit dem agilen Virus infiziert hatte, enthusiastisch in der Bar, wie er seine Entwicklung modernisiert hat. Die Teams liefern jetzt in kurzer Taktung ein MVP, ein minimal viable product – ein elementares Produkt mit den nötigsten Funktionen, das als Basis für alle kommenden Entwicklungsschritte fungiert. Somit wird iterativ und inkrementell geliefert. Der Seniorchef taumelt zwischen Skepsis und vorsichtigem Optimismus, der Junior zwischen Spannung und Enthusiasmus. Und, was nicht zu unterschätzen ist: Die Mannschaft hat sich nach einigen Diskussionen gefügt.

Die Einführung bezeichnete er als sehr erfolgreich, wenn auch kräftezehrend. Ich war unmittelbar begeistert, aber auch irritiert, was vermutlich nichts mit dem Caipirinha zu tun hatte, mit dem wir auf seinen Quantensprung angestoßen hatten. Bis zum Frühstück am nächsten Morgen war bei mir der Groschen gefallen, und ich fragte ihn:

„Hast Du einen Agile Coach?“
„Habe ich, das mache ich in Personalunion. Ich bin Product Owner, Agile Coach und Abteilungsleiter. Das war der Schlüssel zum Erfolg. Sonst hätten sich die altgedienten Entwickler keinen Millimeter bewegt.“

Wenn es keinen Spaß macht, stimmt was nicht

Heiligt dieser hart erkämpfte Erfolg die Mittel? Die Nagelprobe auf das Gelingen einer agilen Transformation ist für mich der Satz: „Wenn es keine positive Energie freisetzt, also keinen Spaß macht, ist etwas falsch gelaufen.“ Hätte ein guter Agiler Coach die alten Haudegen nicht schneller für den neuen Ansatz gewinnen können? Wäre statt purer Akzeptanz nicht echte Begeisterung „drin“ gewesen? Hätte der Veränderungsprozess dem Abteilungsleiter nicht weniger Kraftaufwand abgefordert?

Natürlich ist das jetzt müßig. Ich habe aber die Erfahrung gemacht, dass gerade die erfahrenen Mitarbeiter sich schnell in dem agilen Konzept wiederfinden. Oft höre ich ähnliche Kommentare wie diesen: „So haben wir doch früher gearbeitet. Eigentlich ist das nichts Neues. Wir waren ein Team, hatten Spaß und waren erfolgreich. Was ist jetzt an der agilen Arbeitsweise anders?“ Recht haben sie, es ist nichts anderes. Nur die Umstände haben sich geändert. Die Welt ist schnelllebiger, komplexer geworden. Jetzt bedarf es eines bewusst gelebten Handlungsrahmens, damit sich die naturgegebene, kreative menschliche Energie in einem Produkt materialisieren kann.

 

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